Der Träger will das gute, alte Letmather Krankenhaus loswerden, das Marienhospital, in dem ich geboren wurde, damals noch in Stadt Letmathe. Das Problem hatten wir schon mal, und damals wie heute gibt es einen Aufschrei in der Bevölkerung. Den Gedanken der Kampagne kann ich sicherlich unterstützen, allerdings löst das Motto derselben bei mir nur Kopfschütteln aus.

Das Motto lautet nämlich: "Hände weg von unserem Marienhospital". Dazu gibt es wohl auch irgendeinen Kram auf Fratzenbuch (den ich mangels Account nicht checken kann), und gerüchteweise schon Streitigkeiten (gibt verschiedene Leute, die sich um die Ehre schlagen, die Kampagne anführen zu wollen.) Inzwischen gab es auch schon einen Beschluss des Landrates zugunsten der Schließung (was genau macht noch ein Landrat eigentlich?) und die Stadt Iserlohn denkt darüber nach, das Krankenhaus in das Kommunalunternehmen einzugliedern (dessen Slogan ist übrigens "DAS WIR ZÄHLT", aber ich kann mich heute nicht mit jedem Scheiss befassen.)

All das ist mir wurscht, ich fände es gut, wenn das Krankenhaus erhalten bliebe, und wenn man was dafür tun kann, dann soll mir das lieb sein. Und genau da würgt mich der Slogan "Hände weg". 

Die Hände von etwas zu lassen, bedeutet eben definitionsgemäß, NICHTS zu tun. Nichtstun ist genau das Gegenteil von Erhalten. Erhalten steckt Energie hinein, Nichtstun, nichts anzufassen, das ist das, was der natürlichen Zunahme der Entropie zugute kommt. Oder andersherum: alles, von dem man die Hände lässt, geht über kurz oder lang kaputt. Bedeutet der Slogan "Hände weg von unserem Marienhospital", dass man es friedlich sterben lassen soll?

Oder sollte man nicht lieber Energie hineinstecken, also Arbeit und Geld, so wie seit 146 Jahren? Weil es ein kulturelles Ding ist, wie Feuerwehren, Schwimmbäder, Schulen, Sportanlagen, Museen, Polizeistationen, Büchereien, Straßen, Bürgersteige, öffentlicher Nahverkehr, Energie und Wasserversorgung und und und - und der Wegfall dieser Errungenschaften kulturellen Verfall bedeutet? Glaubt wirklich jemand, wenn man etwas nur beharrlich genug nicht anfasst, wird es besser?

Mit "unserem" macht man ja auch Eigentumsrechte geltend. Warum ist es "unseres"? Sicherlich verstehe ich den Kontext: es ist "unseres", weil es "zu uns Letmathern gehört", und deshalb sollt "ihr", weil es eben nicht "eures" ist, es nicht kaputtmachen dürfen. Aber es ist eben nicht "unseres". Noch nicht (wenn es der Stadt gehörte, dann vielleicht) oder nicht mehr (es war ja wohl mal ein kirchlicher Träger, und dann hätten zumindest alle Katholiken sagen können: "unseres"). Aber im Moment ist es eben nicht unseres. 

Die Wahl dieses Slogans enttäuscht mich in seiner Dummheit und spiegelt symptomatisch die Verfassung wieder, in der sich diese Stadt, dieses Land befindet. Man ist immer schnell dabei, seine Nase in anderer Leute Angelegenheiten zu stecken, das wohl, jedoch bevorzugt nur so, dass dabei möglichst viel kaputt geht. Einreißen gerne, aufbauen eher nicht so. Man findet so viele Bürgerinitiativen und -Begehren, Protestbewegungen und öffentliche Wortmeldungen, und die überwiegende Anzahl ist dagegen. Gegen Windkraft auf dem Schälk, gegen die Stromtrasse über Hohenlimburg, gegen den Weiterbau der Autobahn, und so weiter, und nun halt: gegen Hände am Marienhospital.

Leute, wenn Ihr was bewegen wollt, dann macht was dafür. Macht was Konstruktives. Sucht Lösungen und arbeitet daran. Wer immer nur gegen etwas ist und zerstören will, ohne aufbauen zu mögen, macht sich mitverantwortlich für den Umstand, dass es nicht weiter geht. Denn Entwicklung, Fortschritt, Heilung ist das Gegenteil von Blockade, Stillstand und Fäulnis.